Fremdenpass Nr. 010716

 

Mein Vater, Freiherr Jury von Luhovoy war während des II. Weltkrieges nie deutscher Staatsbürger, hat nie für das Deutsche Reich gekämpft und hat sich immer als perfekter Gentleman auftretend clever durchgeschlagen.


Er blieb auch ideologisch als Asymtote immer außerhalb, bzw. zwischen den Fronten. Nicht nur formal sondern auch politisch überall der typische heimatlose „Staatenlose“. Nachdem das Zarenreich untergegangen war, blieb er als Sohn eines durch die Wirren der Geschichte zum staatenlosen Russen gewordenen Kosaken, ohne Heimat als ewiger Ausländer wo immer er sich aufhielt im Niemandsland zurück.


Sogar der traurige Status als „Staatenloser“ mit Österreichischem Fremdenpass wurde ihm 1958 bei seinem Besuch in der Österreichischen Botschaft in Toronto zur Passverlängerung (zur Wiedereinreise nach Österreich) von einem Dr. Kurt Waldheim, damals Botschafter in Canada, prompt aberkannt.


Mit sichtlichem Vergnügen wurde ohne Angabe von Gründen jede einzelne Seite des Passes meines Vaters von Waldheim (pikanter Weise dem ex-Mitglied einer weithin bekannten Reiterstaffel einer SA Sondereinheit) ungültig gestempelt.


Daraufhin war mein Vater wieder staatenlos - allerdings nur für vierundzwanzig Stunden. So lange dauerte es, bei der quer über der Strasse der Österreichischen Botschaft gelegenen kanadischen Einwanderungsstelle einen brandneuen kanadischen Pass zu beantragen und ausgestellt zu bekommen.


Mein Vater erhielt erst in den 70er Jahren und auch nur durch massive Intervention einflussreicher Kreise mit viel Glück die österreichische  Staatsbürgerschaft.

After the Empire of the Czar went down in Russia, my father became the son of a stateless Russian, always alone, without a home, in a political no man's land. Anyhow, in each and every life situation always remained the perfect gentlemen.


During World War 2, he did not become a German citizen nor did he, at any time, fight for the German Third Reich. But late in his life, with the help of influential, good friends, and some luck, he gained Austrian citizenship.


However, that citizenship was suddenly withdrawn in 1958 during a visit by my father to the Austrian Embassy in Toronto for a renewal of his passport.


The renewal  was denied by a man named Kurt Waldheim who was the Austrian ambassador to Canada at that time. Every single page of my father's valid Austrian passport was stamped 'invalid' by Dr. Kurt Waldheim. Mr Waldheim never gave any formal reason for his actions. 


My father was deeply wounded by this behavior, by this insult.

And, of course it meant that my father, once again, found himself stateless. But fortunately, only for 24 hours. That is how long it took my father to walk across the street from the Austrian Embassy to the nearest Canadian Immigration Office.


There a brand-new Canadian passport was issued to him.